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Darm gut alles gut-Neues über ein unterschätztes Organ Oder Warum man den Darm eigentlich gar nicht überschätzen kann

Darm gut alles gut-Neues über ein unterschätztes Organ

Oder

Warum man den Darm eigentlich gar nicht überschätzen kann

 

Im vergangene Herbst habe ich im Rahmen der Gesundheitsvorträge  unserer Praxis (2x/Jahr, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst) zu obigem Thema referiert. Die Vorträge sind immer gut besucht, zu den sehr treuen Zuhörern der ersten Stunde, die bisher jeden unserer Vorträge angehört haben, gesellen sich immer zahlreiche neue Gesichter, beides freut uns sehr!

Zu Beginn des Vortrags wurden die Verbindungen des Darms zu tatsächlich jedem einzelnen Organ unseres Körpers vorgestellt und erklärt. Wer weiss schon, dass Darmbakterien unreife Immunzellen trainieren und diese dann immunkompetent in die Lunge entlassen, wo sie zusammen mit kurzkettigen Fettsäuren, die ebenfalls im Darm produziert werden und die stark entzündungshemmend wirken, bei Infekten der Bronchien und der Lunge gemeinsam antreten und Bakterien und Viren wirksam bekämpfen? Oder das 80% unserer Neurotransmitter (Botenstoffe des Gehirns), die massgeblich unsere Stimmung beeinflussen, im Darm synthetisiert werden? Dass es eine sechsspurige Autobahn zwecks Datenaustausch zwischen Darm und Hirn gibt, davon aber 4 Spuren vom Darm zum Hirn und nur 2 Spuren zurück? 

Wenn wir früher, so vor ca 10 jahren, eine Stuhluntersuchung gemacht haben, bekamen wir auf einer Din A 4-Seite den Befund. Links standen die Namen der Bakterien, rechts die Anzahl davon. Das war´s. Als Therapie hatte man nur die Wahl, das, was fehlte, zu ergänzen. Die Erfolge waren mittelmäßig. Das, was heute untersucht wird im Rahmen einer Stuhluntersuchung, liegt gefühlt Lichtjahre von oben beschriebenem entfernt. 

Heute zählt der Befund der genetischen Untersuchung  ca 10 Seiten! Zunächst wird der pH des Stuhls untersucht, ein leicht saures Milieu ist angestrebt, hierin fühlen sich gute, gesunderhaltende oder gesundmachende Darmkeime wohl. In der Regel finden wir hier schon die ersten Auffälligkeiten, der Stuhl ist oft basisch, was  darauf schliessen lässt, dass sich Keime angesiedelt haben, die z.B. eine Fäulnisflora verursachen, die das Milieu des Darmes zu ungunsten unserer Gesundheit verändern. Dann schauen wir uns das Verhältnis verschiedener Bakteriengruppen zueinander an, z. B. das Verhältnis von Actinobacter (Säuerungsflora) zu Proteobakterien (Fäulnisflora)..

Hauptaugenmerk legen wir auf das Vorhandensein von Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren synthetisieren, die echten Musketiere unseres Darmes, die unter anderem gute Darmbakterien füttern, das Milieu stabilisieren und best buddies von Bakterien sind, die eine Schleimschicht aufbauen, damit die Darmschleimhautzellen (nur eine einzige Reihe! Also eine einzige Zellreihe trennt das Äußere des Körpers vom Inneren!)beschützt dicht an dicht nebeneinander liegen und keine unkontrollierten  Durchtrittspforten bekommen (leaky gut syndrom, Syndrom des durchlässigen Darmes).

Ganz zu schweigen von der genauen Darstellung von Verbrecherkeimen, Parasiten und Pilzen, die genau erfasst werden und so Therapiemöglichkeiten eröffen, damit man sie auch wieder los werden kann. 

Wirklich neu ist das Erfassen des Metaboloms, also der Stoffe, die von unliebsamen Darmbakterien gebildet werden und oft toxische, also giftige Wirkungen haben. Dazu zählt z. B. Ammoniak, der aus dem Darm zur Leber transportiert werden muss, um dort entgiftet zu werden, wobei die Leber heutzutage  bei allen so überbeschäftigt ist, dass sie keine neuen zusätzlichen Aufgaben braucht….. Ebenso TMA und TMAO, Abbauprodukte, die mit kardiovaskulären Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden und andere Stoffe mehr.

Das Syndrom des  durchlässigen Darmes wurde ebenso beleuchtet wie entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut. 

Nach soviel Theorie widmete sich der 2. Teil des Vortrags den Do it yourself- Möglichkeiten, seinen Darm zu pflegen, das Milieu zu verbessern und Lebensstilfaktoren in den Alltag zu implementieren, die zur Darmgesundheit beitragen (z. B. Stress als Brandbeschleuniger im Darm!). 

Mit dem obligatorischen Snoopy-Bild endete der Vortrag, viele Fragen zeigten das lebhafte Interesse der Zuhörer, die Apotheke Owingen bot passende Produkte als Proben zum Thema an und es entwickelten sich  viele spannende und gut gelaunte Gespräche rund um das Thema Darm. Für das Team Mock wieder der Beweis, dass gute Prävention möglich ist und es viele gesundheitsbewusste Menschen gibt, die sich in Eigenverantwortung um ihre Gesundheit kümmern möchten, was uns unglaublich gefreut hat! Wir freuen uns auf die nächsten Vorträge! 

 

© Dr. Nicole Lion-Mock