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Ein Virus hat mich erwischt oder ab ins Körbchen

Die Erkältungszahlen in der Praxis schnellen in die Höhe, die Krankmeldungen nehmen drastisch zu, sowohl Corona als auch Influenza-Viren und eine große Zahl anderer viraler Krankheitserreger treiben heftig ihr Unwesen. Grippale Symptome wie Schlappheit, Fieber, Halsschmerzen, Husten, Kopf- und Gelenkbeschwerden sind die Folge. Eine körperliche Untersuchung, Messung der Vitalparameter wie Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls, Temperatur und bei Unklarheiten auch die Bestimmung von Entzündungsparametern im Blut bestätigen die Diagnose eines grippalen Infektes und beinahe jeder, der das Arztzimmer verlässt, fragt, was er /sie tun könne, um schneller wieder auf die Beine zu kommen.

Ruhe

Um den Krankheitsverlauf abzukürzen und keine Komplikatonen (lange andauernde Symptome, verzögerter Heilungsverlauf, ernsthaft Komplikationen wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen) an Land zu ziehen, ist es das oberste Gebot, Ruhe zu geben. Gegen Viren hilft kein Antibiotikum, der Körper ist auf sich gestellt im Kampf mit dem Krankheitserreger und dabei sind Ruhe und Schlaf zur Unterstützung des Immunsystems und zur Regeneration sehr hilfreich. Auch Digital Detox, also eine drastische Reduktion des Konsums digitaler Medien, ist zur Stressreduktion sinnvoll. Ambitionierte Sportler wollen baldmöglichst ihren Sporteinheiten nachkommen, um keine Leistungseinbussen zu erfahren, seien es Kraft- oder Ausdauersportler. Sport ist in der akuten grippalen Situation ein absolutes No Go. Es gibt z.B. Viren, die cardiotrop sind, also dazu neigen, das Herz zu befallen und hier unter Umständen lebenslangen Schaden anzurichten. Die Möglichkeit solcher Langzeitschäden muss reduziert werden und dazu gehört es, Ruhe zu geben. Jeglicher körperlicher Stress und das bedeutet Sport  in einer akuten Krankheitssituation, schwächt das Immunsystem und macht es dem Organismus schwerer, die krankmachenden Eindringlinge zu eliminieren und wieder gesund zu werden. 

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Bei erhöhter Temperatur verliert der Körper durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Festsitzender Schleim in  Nase, Nasennebenhöhlen und Bronchien wird durch die Zufuhr v.a. warmer und ausreichender Flüssigkeit verflüssigt und kann besser ausgeschieden werden. Ausserdem werden die Schleimhäute dadurch besser befeuchtet und können ihre Abwehrfunktion besser wahrnehmen. Hierfür eignen sich besonders warme Kräutertees oder Wasser. Bezüglich eines guten hustenlösenden Tees lassen Sie sich am besten in  Ihrer Apotheke beraten, Malve, Huflattich und Spitzwegerich enthalten z.B. Schleimstoffe, die sich als Film reiz- und schmerzlindernd auf die Schleimhäute legen, Holunder- und Lindenblüten wirken schweisstreibend, Salbei entzündungshemmend. 2-3 Liter Flüssigkeit sollten es pro Tag schon sein.

Inhalieren

Bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und bei Husten sind Inhalationen wohltuend und hilfreich. Im einfachsten Fall kochen Sie 1 Liter Wasser in einem kleinen Topf und geben 1 Beutel Kamillentee hinein. Ist der Tee etwas abgekühlt, kann mit einem Handtuch über dem Kopf über dem Topf inhaliert werden. Achtung, Verbrennungsgefahr! In der Apotheke gibt es Inhalatoren, die einfacher und sicherer gehandhabt werden können. 2-3x täglich  ca 10-15 min können die Inhalation durchgeführt werden. 

Gurgeln

Salzwasser ist ein altbewährtes Rezept, um Halssschmerzen zu lindern.  In einem viertel Liter kochenden Wassers werden 1-2 Teelöffel Salz aufgelöst, so dass eine Salzsole entsteht. Nach dem Abkühlen wird hiermit über den Tag verteilt immer wieder gegurgelt und das Salzwasser danach ausgespuckt und nicht geschluckt. Salz wirkt Entzündungen entgegen und lindert Reizzustände.

Halswickel

Halswickel mit Quark sind in unserer Praxis der Renner und werden jedem mit Halsschmerzen empfohlen, dem Kühle am Hals angenehm ist. Man nimmt ein frisches Küchentuch und gibt 1 cm dick Magerquark am besten in Bioqualität in der Grösse auf das Tuch, die der vorderen Halsseite, die schmerzt, entspricht. Dann wird dasTuch so gefaltet, dass zwischen Quark und Haut nur eine Schicht Tuch ist. Das Küchentuch kann im Nacken zugebunden werden. Danach wird ein Wollschal locker über den Quarkwickel gebunden. Der Wickel kann ca 30 Minuten am Hals belassen und 3x täglich  angewendet werden. Wie wirkt ein Quarkwickel? Phosphorhaltiges Casein macht den Großteil der Proteine im Quark aus. Wirkt es über die Haut auf den entzündlich veränderten Hals ein, wirkt es ähnlich wie eine Zugsalbe aus der Apotheke und kann die Entzündung „entziehen“. Zusätzlich aktiviert es den Stoffwechsel und fördert die Durchblutung, wodurch die Heilung beschleunig wird. Die Kälte des Quarks blockiert Schmerzrezeptoren und lindert Schmerzen. Da er Wärme nur langsam aufnimmt, sorgt er für eine gleichmässige und langanhaltende Kühlung.

Bei Menschen, die im Rahmen einer Halsentzündung keine Kälte am Hals vertragen, können Halswickel mit zerdrückten warmen Pellkartoffeln angewendet werden.

Brustwickel

Brustwickel sind oft der Gamechanger bei lang anhaltendem Husten, der sehr beschwerlich ist. Wir empfehlen einen Ölwickel aus einer Mischung aus Oliven- und Lavendelöl. Durch die Wärme und das ätherische Öl wirkt er antiviral, entzündungshemmend und gleichzeitig krampflösend für die Bronchien. Ein Küchentuch aus Baumwolle wird in der Grösse der Brust zusammengelegt und erwärmt (Wärmflasche, Heizung). In einem kleinen Topf wird eine Mischung je hälftig aus Oliven- und Lavendelöl (z.B. das  entspannende Pflegeöl Lavendel von Weleda, kein Lavendelölkonzentrat!) erwärmt. Achtung, das Öl darf nicht erhitzt werden! Das warme Öl wird auf das angenehm erwärmte Küchentuch gegossen und (nicht zu heiss, Vorsicht vor Verbrennungen!) dieses sofort auf die nackte Brust gelegt. Auf das Küchentuch wird ein Handtuch gelegt, darüber der Pullover oder Pyjama gezogen und dann muss geruht werden, schön zugedeckt mit einer Decke. Der Wickel kann bis zu einer Stunde auf der Brust belassen werden, solange er als warm und angenehm empfunden wird. 2-3 Anwendungen pro Tag sind sinnvoll und hilfreich. Als praktisch hat es sich erwiesen, einen Wickel am Abend vor dem Zubettgehen anzulegen. 

Ernährung

Eine vitaminreiche leichte Vollwertkost unterstützt den Körper beim Gesundwerden. Schnitzel mit Pommes sind eher keine so gute Idee, damit der Körper nicht zuviel Energie in den Verdauungstrakt abgeben muss, die er gerade anderswo zur Infektbekämpfung dringender braucht. Allerdings ist auf eine ausreichende Eiweißzufuhr zu achten, da unser Immunsystem komplett aus Eiweissen besteht. Mit leeren Kohlenhydraten, sprich Zucker, kann es wenig anfangen. Also wäre es sinnvoll, die Süssigkeiten zu reduzieren. Die Hühnersuppe, traditionell zubereitet und nicht aus der Convenience-Food-Abteilung, hat tatsächlich eine leicht entzündungshemmende und antivirale/antibakterielle Wirkung. Sie enthält die Vitamine A und E, Zink und Aminosäuren wie Cystein, allesamt Inhaltsstoffe, die das Immunsystem unterstützen. Cystein spielt eine Rolle bei der Ausleitung von Toxinen, die durch Viren oder Bakterien entstanden sind, hilfreich bei einer Grippe. Viele Patient*innen mögen in der akuten Phase der Erkrankung erst einmal  gar nichts essen. Solange dieser Zustand nicht über Tage anhält und ausreichend getrunken wird, ist hieran nichts auszusetzen! Ein abgesehen von der Grippe gesunder Körper zeigt von selber an, wann er wieder Nahrung verwerten möchte. Es ist im Prinzip der Wunsch nach einem Kurzfasten, mit dem der Körper signalisiert, dass er im Augenblick mit anderen Aufgaben beschäftigt ist und nicht auch noch die Verdauungsarbeit bewältigen möchte.

Mikronährstofftherapie aus der orthomolekularen Medizin

Zink-Lutschtabletten können nach einer finnischen Meta-Analyse mehrerer Studien, entsprechend hoch dosiert, die Dauer einer Erkältung um bis zu 40% reduzieren. Beim langsamen Lutschen freigesetztes Zink kann die Andockstellen von Viren im Mund- und Rachenbereich besetzen und hier gleichzeitig lokale Effekte haben. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Tagesdosiszufuhr von Zink, das vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann, von 10mg empfiehlt, empfehlen wir in unserer Praxis unter Umständen durchaus, in den ersten 3 Tagen des Infektes 8 Tabletten zu je 5 mg Zink zu lutschen. Das erfolgt aber immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt und stellt ausdrücklich keine generelle Empfehlung dar. Auch Vitamin C sollte in ausreichender Dosierung eingenommen werden (s. Blogbeitrag Vitamin C- das Zaubervitamin oder der Megaburner). Vitamin D ist ebenfalls wichtig, da es unter anderem ein wichtiges Haut- und Schleimhautprotektivum darstellt. Hier sollte am besten im Herbst vor der Grippezeit der Spiegel bestimmt worden sein, um zielgerecht dosieren zu können.

Achtung! Bestehen die Symptome über 1 Woche fort, verschlimmern sich wieder, nachdem schon eine Besserung eingetreten war oder treten neue Symptome auf, setzen Sie sich bitte zeitnah mit Ihrer Hausarztpraxis in Verbindung.

Wir hoffen, dass Sie sich ausreichend Ruhe gönnen und mit unseren bewährten Empfehlungen bald wieder gesund werden.

 

Gute Besserung!

                                                                                                                                     © Dr. Nicole Lion-Mock