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Wenn der Winter zu lange dauert oder die „Happy fellows“ von Dr. Bach

So schön der Sommer am Bodensee ist, so herausfordernd kann der Winter sein. Monatelange Tristesse durch Nebel, Regen und Kälte fordern irgendwann ihren Tribut, es wird anstrengend, positiv gestimmt zu bleiben und optimistisch auf den Frühling zu warten. Die kurzen Tage, die fehlende Helligkeit und das Ausbleiben der Sonne führen zu depressiven Verstimmungen, man wird dünnhäutiger, unausgeglichener, ängstlicher, reizbarer  und überhaupt möchte man mit einem Keks und einer Tasse Kakao vor dem Ofen auf der Couch sitzen bleiben und nicht mehr aufstehen, bis die Sonne wieder scheint und der Frühling da ist. Die weltpolitische Situation ist nahezu unaushaltbar, zwischenmenschliche Beziehungen sind auch nicht immer einfach und das individuelle psychische Gerüst stellt ebenfalls Aufgaben an das Selbst.

Eisbaden, Lichtduschen und Soulfood sind sicher Möglichkeiten, dem Winterblues zu entkommen,  aber die „Happy fellows“ von Dr. Bach, die Bachblüten, sind wahrhafte Schätze, wenn es darum geht, Gemütszustände, die uns unangenehm sind und uns belasten, positiv zu beeinflussen.

Dr. Edward Bach lebte Anfang des letzten Jahrhunderts in England. Er war ein angesehener Bakteriologe und Immunologe. Seine engagierte Forschung über den Zusammenhang zwischen bestimmten Bakterien im Darm und chronischen Erkrankungen brachte ihm medizinische Ehren ein. Mit von ihm entwickelten Impfstoffen, die aus Darmbakterien gewonnen wurden, konnte vielen Menschen geholfen werden. Mit 31 Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Milztumor diagnostiziert und operiert, die Lebenserwartung von Bach wurde um wenige Monate prognostiziert. Auch sein starker Wunsch, vor seinem Tod noch einen bleibenden Beitrag zur medizinischen Forschung leisten zu können, liess ihn seine Prognose um 19 Jahre überleben. Man nannte ihn „das Licht, das niemals ausgeht“, da er zu jeder Tag- und Nachtzeit in seinem Forschungslabor anzutreffen war.  Es folgte eine Anstellung im London Homoepathic Hospital, der Kontakt mit der Homöopathie kam seinen Vorstellungen, einen Menschen ganzheitlich zu behandeln, näher als seine bisherigen Erfahrungen in der Medizin, die darauf zielte, durch Behandlung von körperlichen Symptomen den gesamten Organismus heilen zu wollen. Er entwickelte aus den Darmbakterien seiner Impfstoffe  homöopathische Präparate, die Bach-Nososden, die heute noch von Homöopathen angewendet werden.

Durch sehr genaue Beobachtung seiner Patienten kam er zu der Erkenntnis, dass eine Desintegration von  Seele und Geist zu körperlichen Symptomen und damit zur Krankheit führen kann. Eine Desintegration von  Seele und Geist äussert sich  zunächst in einer Änderung der Gemütsverfassung, also der Gefühle. Das brachte Bach auf die Idee, über eine Behandlung der Gemütsverfassung den ganzen Mensch zu behandeln und darüber das Körper-Seele-Geist System wieder zu integrieren. „Das Gemüt ist der feinste und empfindlichste Teil des Menschen und zeigt den Beginn und Verlauf einer Krankheit viel deutlicher als der Körper. So gilt die Einstellung des Gemüts als Hinweis auf das oder die Heilmittel, die notwendig sind“ (Zitat Dr. Bach).  Dafür, das war sein Ziel, wollte er Heilmittel in der Natur finden,  zu der er von Kindheit an einen intensiven Bezug hatte. Eine hohe spirituelle Anbindung zusammen mit seinem geschulten Forschergeist führten ihn zu den Pflanzen, mit denen er ein Heilsystem entwickelte, das höchst individuell mit der Zusammenstellung verschiedener Blüten, die alle möglichen unterschiedlichen Gemütszustände  abbilden, jeden einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit im Denken, Fühlen und Handeln unterstützen. Eine erfolgreiche und lukrative Praxis in London hatte Bach längst aufgegeben, Geld und Ruhm interessierten ihn nicht, das Auffinden der entsprechenden Pflanzen und ihre Aufarbeitung zu Heilmitteln trieben ihn voran. Er zog nach Sotwell in Oxfordshire und liess sich in einem bescheidenen Haus nieder, Mount Vernon, das heute noch Sitz des Bach Centres ist. Hier vollendete er sein Werk, mit 38 Blütenkonzentraten war sein Heilsystem vollständig. Ein Jahr nach Beendigung seiner Forschungen verstarb Dr. Bach im Alter von 50 Jahren an einem Herzleiden.

Dr. Bach hat ein bestechend einfaches, hoch effektives Behandlungssystem geschaffen, in dem 38 Blütenessenzen alle negativen Gefühlszustände abdecken. Auch wenn es mittlerweile australische, kalifornische, ..etc Blütenessenzen gibt und auch viele unterschiedliche Ansätze, mit Blütenessenzen zu arbeiten, ist das System von Dr Bach so vollständig, dass es keiner Änderungen in der Anwendung und keiner neuen Blütenessenzen bedarf. Bezüglich der Anwendung der Bachblüten kann man Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie zitieren, der gesagt hat : „Macht es mir nach, aber macht es mir genau nach“ und damit meinte, dass es klare methodische Vorgaben gibt, die zur Mittelfindung führen und keine neuen dazu erfunden werden müssen. Ebenso ist es in der Bachblütentherapie. Dr. Bach hat exakt vorgegeben, wie durch genaue Beobachtung, vorurteilsfreie Exploration und eine empathische Gesprächsführung die entsprechenden Blüten, die den individuellen Geistes-und Gemütszustand des Klienten widerspiegeln, mit Sachkenntnis gefunden und zusammen gestellt werden, um heilsam wirken zu können.

Bachblüten können in allen Lebenslagen hilfreich sein und  alle akuten und chronischen Befindlichkeitsstörungen begleiten. Sie sind mir in der Hausarztpraxis längst zu wertvollen Helfern geworden. Obwohl ich auch Homöopathin bin, arbeite ich in Akutfällen z.B. bei psychischen Ausnahmezuständen, Schock und Krisenzuständen oft mit ihnen, da sie sehr sanft wirken und keine Nebenwirkungen, v.a. aber auch keine Erstverschlimmerungen, wie sie in der Homöopathie auftreten können, haben. Hier ist  eine kurzandauernde Einnahme hilfreich und sinnvoll. Oft werden sie aber begleitend über einen längeren Zeitraum eingenommen , sie stossen innere Reifeprozesse an, begleiten schwierige Lebenslagen und fördern die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit - wir alle wissen, dass das länger dauert….. Die Blüten arbeiten nach dem Zwiebelschalenprinzip. Immer wird sich an den aktuellen Gefühlen und der emotionalen  Befindlichkeit orientiert, um die entsprechende Bachblütenmischung auszuwählen. Die Einnahme der Blüten bewirkt oft rasch Veränderungen, so dass andere Blüten notwendig werden. So berichtete eine Klientin, sehr eifersüchtig zu sein und die Nachrichten ihres Partners in den sozialen Medien zu stalken. In der nächsten Begegnung erzählte sie, unter einer ausgeprägten Verlassenangst zu leiden, die Kontrolle des Partners war hinfällig geworden. Es konnten andere Blüten für sie ausgewählt werden, die für den aktuellen Zustand passten und helfen konnten.

Das Ziel von Dr. Bach war es, ein so einfaches Heilsystem in die Welt zu bringen, mit dem sich jeder vertraut machen und für sich die entsprechenden Blüten auswählen kann. In einem gewissen Rahmen ist das möglich, allerdings ist dafür ein solides Studium der Blüten unumgänglich. 2 Sätze-Beschreibungen einer Blüte aus dem Netz werden dieser nicht gerecht und die Anwendung ist dann weniger erfolgreich. Manche Klienten lieben es, die verordneten Blüten, die am Ende einer jeden Beratung erklärt werden, nachzulesen. Das ist oft hilfreich, oft aber auch nicht, da zwar jede Blüte oberfächlich beschrieben werden kann, aber noch viele, viele Facetten und Schichten mehr hat, die die Behandler*in zu ihr geführt hat, sich das manchmal beim Nachlesen im Internet nicht erschliesst und man sich auf keinen Fall darin wiederfinden möchte (z.B. Chestnut bud (Rosskastanie): „Bei Wiederholung der immer gleichen Fehler und der Unfähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen“). Oft ist es sinnvoll, mit einem erfahrenen Therapeuten ins Gespräch zu gehen, da man die eigenen blinden Flecken manchmal nicht wahrnimmt und durch die Spiegelung eines objektiven Gegenübers Gefühle  klarer und greifbarer werden.

Hüter des geistigen Erbes von Dr Bach ist das Bach Centre mit Sitz in Mount Vernon, das in allen Belangen der Bachblütentherapie weltweit massgeblich ist, strukturierte Ausbildungsprogramme entwirft , nach denen in 40 Ländern Ausbildungen stattfinden und das alle Bachblütentherapeuten weltweit gelistet hat, die eine entsprechende, exakt vorgegebene, umfangreiche Ausbildung nach den immer noch geltenden Maßstäben von Dr Bach absolviert haben (BFRP-Bach foundation registered practitioner).

Welche Blüten helfen uns nun gegen den Winterblues?  

Gentian (Herbstenzian): „Für jene, die sich leicht entmutigen lassen. Sie machen gute Fortschritte in der Genesung oder in den Angelegenheiten des täglichen Lebens, aber bereits die geringste Verzögerung oder das kleinste Hindernis lässt sie zweifeln und entmutigt sie „ (Zitat Dr. Bach). Also,  man glaubt durchaus daran, dass der Frühling kommt und hat auch schon seine Joggingschuhe wieder ausgepackt, aber der nächste nebelige Tag lässt einen daran zweifeln, man setzt sich wieder auf die Couch und isst weiter Kekse.

Gorse (Stechginster): Jemand, der Gorse braucht, ist der Überzeugung, dass der Frühling niemals wiederkommen wird und dass es überhaupt keinen Grund gibt, von der Couch aufzustehen, ausser, es kommt jemand vorbei und kann zu einem kleinen Spaziergang überreden, bei dem vielleicht schon der erste Frühblüher entdeckt wird.

Mustard (Wilder Senf): Hier legt sich der Winterblues wie eine dunkle Wolke auf das Gemüt, man bleibt einfach auf der Couch sitzen und weiss nicht, warum alles im Leben freudlos und trist erscheint.

Wild rose (Heckenrose): Man ist antriebslos, zum Teil apathisch, träge und lustlos. Eigentlich ist es egal, wie lange der Winter dauert, man bleibt auf der Couch und schaut sich die nächste Netflix-Serie an.

Also, sollte der Winter zu lange dauern, kann ich Ihnen die Beschäftigung mit den Bachblüten wärmstens empfehlen. Und sonst natürlich auch ….

© Dr. Nicole Lion-Mock